
Als wir in Gjógv starteten, nieselte es leicht und die Wolken hingen tief. Allerdings war die Sicht gar nicht so schlecht wie befürchtet. Wir hatten beschlossen, in den Norden auf die Insel Viðoy zu fahren. Dort bestand eine winzige Chance, dass am Nachmittag die Sonne scheinen könnte.
Als wir in Viðareiði ankamen, hatte es sich deutlich aufgeklart und wir entschieden, dass wir die Wanderung zum Kap Enniberg versuchen würden. Das Kap befindet sich am nördlichsten Punkt der Färöer. Mit 754 Metern gehört es zu den höchsten senkrechten Kliffs der Welt.

Je höher wir kamen, desto besser wurde die Sicht und das Wetter.

Ein paar Tropfen Regen und eine Wolke, die uns kurz einhüllte, waren auf den ersten Metern noch unsere Begleiter. Als wir das Hochplateau erreichten, war das Wetter perfekt.

Der erste Teil des steilen Weges über die grünen Hänge des Berges war mit blauen Stangen fast zu viel markiert. Im felsigen Gipfelaufbau wären hier und da ein paar Markierungen hilfreich gewesen. Nach dem Ausstieg auf das Plateau begleiteten uns wieder unzählige Steinmännchen.
Das Geröll nahm gefühlt kein Ende. Immer neue Steinmännchen tauchten am Horizont auf.

Nach einer schmalen Passage, die keine Fehltritte verziehen hätte, kam der letzte Hang bis zum Ende der Welt in Sicht.

Der mehr als 700 m tiefe Blick zum Meer blieb uns durch die Wolkenschicht verwehrt. Aber auch so war es ein einmaliges Erlebnis.
Zu den Seiten gab es Sicht.

Nach einer Pause in der Sonne begannen wir mit dem Abstieg.

Dieser hatte es noch einmal in sich. Wir haben für den Aufstieg 2:25 Stunden benötigt. Das Runterkommen dauerte fast genauso lange. An einer ausgesetzten Passage gab es ein Stück Seil. Das war gut für die Moral.😎

Der felsige Gipfelaufbau war im Abstieg eine rutschige Angelegenheit und jeder Tritt musste sitzen. Wir kamen tiefer und tauchten wieder in die Wolkendecke ein.

Bis wir bei Trudy waren, hatten sich die letzten Wolken verzogen und als wir das Örtchen verließen, war der gesamte Berg zu erkennen.

Für das Begehen des Weges verlangen die ansässigen Farmer 200 DKK (ca. 27 EUR) pro Person auf Basis einer Kasse des Vertrauens. Dafür warten sie die Wege und sorgen dafür, dass das Kliff weiterhin begehbar bleibt. Wir fanden den Preis sehr hoch. Auf der anderen Seite haben wir hier weder einen Wanderverein mit Ehrenamtlichen noch kommunale Strukturen entdecken können, die sich um das Wegenetz kümmern. Anscheinend ist viel Land in privater Hand und da gilt auch für uns „Your Property – Your Rules“.

Wir würden den Weg als schwer einschätzen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unerlässlich. Im Ort steht eine Hinweistafel, die unerfahrenen Menschen von einer Begehung ohne Guide abrät. Wenn Nebel aufzieht, kann die Orientierung auf dem Hochplateau – selbst mit den vielen Steinmännchen – schwierig werden. Wir haben für die gesamte Tour mit Pausen 5 1/4 Stunden benötigt. Als wir um 18:30 unten ankamen, machte sich gerade eine Gruppe zum Aufstieg bereit. Auch wenn der Sonnenuntergang da oben bestimmt spektakulär ist, ist der Abstieg in der (zugegebenermaßen ziemlich hellen) Nacht, sicher kein Vergnügen.

