Wir hatten heute die schönste Wanderung unserer bisherigen Reise, aber auch die herausforderndste. Mit 20 km Strecke und rund 1200 Höhenmetern in der Planung war uns klar, dass es für uns ein langer und anstrengender Tag werden wird. Wir starteten direkt an unserem Stellplatz in Haldórsvík und stiegen das erste Stück auf einem gut sichtbaren Weg steil bergauf. In Haldórsvík steht die einzige achteckige Kirche der Färöer.

Auf dem Hochplateau angekommen, hatten wir nur noch die Cairns (Steinhaufen) als Wegmarkierungen. Dazwischen sahen wir ab und an Hufabdrücke, ansonsten war der Pfad so wenig begangen, dass wir uns weglos am Geländeverlauf orientierten.

Unterhalb des Víkartindur (dem spitzen Gipfel links im Bild) gab es eine lange, grasige Querung, bis wir zum Pass kamen. Der Abstieg in das kleine Örtchen Saksun hatte es dann in sich. Die Steinmännchen wurden immer weniger und wir mussten den Weg immer wieder mit unserem Track auf dem Handy abgleichen. Während es im steilen Gelände relativ einfach war, vorwärts zu kommen, waren die flachen Stücke die größere Herausforderung. Wir mussten aufpassen, nicht im Morast zu versinken. Außerdem störten wir ein Raubmöwenpaar, das dort ein Nest hatte und sie begannen uns zu vertreiben, indem sie Angriffe auf uns flogen. Jetzt kann ich auch noch einen Fehler aus dem Blog berichtigen. Mittlerweile wissen wir, dass die Vögel, die uns in Island nicht in ihrem Gebiet haben wollten, Küstenseeschwalben waren und keine Raubmöwen. Angriffslustig sind beide Arten, wenn man ihren Brutplätzen auf dem Boden zu nahe kommt.

Bis die Lagune näher kam, hatten wir das unangenehmste Stück der Tour zu absolvieren. Vollkommen ohne Markierungen ging es über einen Grashang mit ab und an sichtbaren Schafpfaden. Dieser Weg ist unserer Ansicht nach nur bei perfekter Sicht und absolut trockenem Wetter gefahrlos möglich.

Wir trafen dann auf einen gut markierten Wanderweg, der nach der Überquerung eines Wasserfalls sich im Nichts auflöste. Wir suchten ein wenig herum und landeten mehrfach an versperrten Toren, die auf Weiden führten. Irgendwann kamen wir im Tal von Saksun an und besuchten den Dúvugarðar – den Taubenhof.
Hier klärte sich für uns, warum der gut markierte Weg plötzlich verschwand. Die ursprüngliche Wegführung ging über den alten Hof. Nun kann man das Gelände nur noch nach Zahlung eines relativ hohen Eintritts von 150,- DKK (20 EUR) pro Erwachsenem betreten. Lohnt sich der Eintritt? Das kommt darauf an. Für die Besichtigung des Wohnhauses aus dem 19. Jahrhundert mit wenig Erklärungen oder geschichtlichem Hintergrund lohnt es sich sicher nicht. Allerdings wollen die Eigentümer den ursprünglichen Hof mit Mühle, dem alten Garten, der Schmiede usw. rekonstruieren und das Geld ist dafür gedacht. Uns war es das wert, einen Beitrag auf diesem Weg zu leisten.
Nach der Besichtigung machten wir uns wieder an den Aufstieg – nun in Richtung Tjørnuvík. Der Weg war durchweg perfekt markiert und gut genutzt, so dass wir uns im zweiten Teil des Tages nicht weiter mit Wegfindung beschäftigen mussten.

Die Steinmännchen hatten auf diesem Trail alle Nummern und Jens verfolgte die Zählung.

Wir haben den Verdacht, dass der Weg von Haldórsvík nach Saksun nicht mehr oft begangen wird. Wir trafen genau einen Mensch, obwohl unten im Ort eine Hinweistafel für die Hikingroute steht. Auf dem Abschnitt zwischen Saksun nach Tjørnuvík waren deutlich mehr Wanderer unterwegs.

In Tjørnuvík angekommen, haben wir versucht, den letzten Teil der Strecke entlang der Straße zu unserem Campingplatz per Anhalter mitzukommen. Es ist uns nicht gelungen. Es fuhren kaum noch Autos.

Letztendlich war es gar nicht so unangenehm, die letzten Kilometer in der warmen Abendsonne zu laufen. Wir hatten einen guten Blick auf Risin og Kellingin (der Riese und das Weib). Diese Basaltsäulen sind eines der Wahrzeichen der Färöer. Der Sage nach sollen die beiden Trolle in einer Nacht versucht haben, die Färöer nach Island zu ziehen. Weil das aber zu lange gedauert hat, ging die Sonne auf und hat die beiden zu Stein erstarren lassen.

Fazit: Traumtour auf Traumpfaden mit traumhaften Ausblicken. Wir sind die Tour „aus Versehen“ richtig herumgegangen. Den Weg in anderer Richtung von Saksun nach Haldórsvík an einem langen Tag erst am Ende gehen und dann finden zu müssen, wenn man schon müder ist, hätten wir als (zu) heftig empfunden. So war es perfekt – auch wenn wir heute Abend definitiv wissen, was wir gemacht haben.





