Leider ist nicht nur das Ventil abgeschert, sondern auch der Reifen so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er nicht mehr die Luft hält. Die Monteure im Reifenservice haben sich sehr bemüht. Uns blieb nur die Möglichkeit, einen neuen zu kaufen. Die seltsamen Maße, die auf Trudy passen, waren natürlich nicht vorrätig. Aber anscheinend ist die Logistik so gut, dass morgen früh ein Reifen für uns da sein soll. Wir wollten nicht in Höfn bleiben, konnten uns aber auch nicht zu weit entfernen, wenn wir morgen um 9:00 Uhr wieder in der Werkstatt sein wollen. Unsere Wahl fiel auf den Campingplatz in Stafafell.

Wir hatten von der Wanderung zum Hvannagil Canyon gelesen. Eine farbenfrohe Rhyolitgesteinsschlucht sollte am Ostufer des Flusses Jökulsá í Lóni zu finden sein. Wir zogen los und fühlten uns an Norwegen erinnert, da wir die erste halbe Stunde immer wieder den Weg neu finden mussten.

Es gab Markierungen, aber die Holzstecken waren sehr verwittert und zum Teil zerbrochen oder umgefallen. Als wir aus den Zwergbirken heraus waren, wurde es einfacher.

Über eine Hochebene ging es immer weiter in Richtung der roten Berge.

Der Blick zurück zum Meer vom tatsächlich höchsten Punkt (193m) war ebenfalls nicht schlecht.
Dann lag sie vor uns – die Hvannagil-Schlucht.


Nach einem unangenehm bröseligen Abstieg ins Tal, folgten wir dem Flussbett durch den Canyon.


Es war unser bisher wärmster Tag in Island und wir haben die Tour in T-Shirt und Turnhemd laufen können. Da war es auch nicht so tragisch, dass ich bei einer der vielen kleinen Flussquerungen einen Stein zum Kippen brachte und meine Füße samt Schuhen im Wasser versenkte.
Nach der grandiosen Schlucht folgte ein ziemlich langer Hatscher entlang einer Straße durch ein Sommerhausgebiet. Es war nett, die Häuschen anzusehen, aber der Weg war nicht wirklich schön.

Die Rundtour wird auf der Website stafafell.is mit 13,4 km angegeben. Wir waren 15,9 km unterwegs und haben uns nicht verlaufen. Es fällt auf: Hier in Island stimmen die Angaben für die Strecken häufig nicht. Tagestouren sind in der Realität oft länger und die kurzen Besichtungsabstecher für Sehenswürdigkeiten sind dafür kürzer.
Der Fluss Jökulsá í Lóni führte wenig Wasser und mündete, kurz bevor wir wieder auf die Ringstraße trafen und so zu unserem Zeltplatz zurückkamen, ins Meer.

Zum Abschluss eines ziemlich perfekten Sommertages gab es leckeres Essen vom Grill.

Trotz des Reifenverlustes war die Wanderung doch perfekt und euch leicht bekleidet zu sehen außergewöhnlich. Brigitte